Einäugige Ayla (Bulbusexstirpation wegen Abszess)

(21.12.2012)
Im Moment ist bei uns so kurz vor Weihnachten wirklich eine Menge los. Erst erkrankt unser Kater Floyd schwer. Und nur wenige Tage später stellen wir bei Wolfsmutter Asena ein Schiefköpfchen fest. Außerdem ist unser Kastrat Robespierre mittlerweile sehr altersschwach und braucht einiges an zusätzlicher Pflege.
Da das alles nicht schon schlimm genug ist, mussten wir an Wolfstöchterchen Ayla eine dicke Schwellung hinterm Auge feststellen. Diese Schwellung wuchs extrem schnell und durch einige Erfahrungswerte war uns klar: Tumor oder Abszess

Noch am gleichen Tag fuhren wir los. Das war letzten Sonntag, daher führte der Weg uns direkt in eine Tierklinik die einen 24 Stunden-Notdienst hat. In solchen Fällen ärgere ich mich doppelt, wenn es ausgerechnet während der Urlaubszeit meiner eigentlichen Tierärztin geschieht. Die Tierärztin dort war sehr nett. Doch nach einer kurzen Untersuchung war sie sich hundertprozentig sicher, dass es sich um einen Tumor handele und nicht etwa um einen Abszess. Sie war gegen eine Operation, da sich die Schwellung deutlich Richtung Wange zog und nicht allein auf die Augenhöhle begrenzt war. Ich ärgere mich im Nachhinein sehr, dass ich das so hinnahm. Es sah für mich als Laie auch nach einem Tumor aus und daher vertraute ich der Tierärztin. Sie gab für Ayla Schmerzmittel (Metacam) mit und außerdem eine Augensalbe, da sie das Augenlid schon nicht mehr richtig schließen konnte.
Ich verbrachte also tagelang Ewigkeiten damit Ayla behutsam die Salbe aufs Äuglein zu schmieren, damit es nicht austrocknet. Doch irgendwann wurde mir klar, dass das so keinerlei Sinn macht. Ihr Auge sah gegen Ende aus wie eine Rosine. Die Tierärztin der Tierklinik riet uns Ayla noch ein paar letzte schöne Tage zu machen. Sobald sie abbauen würde, würden wir sie erlösen lassen müssen.

Ayla, die wie ihre Mutter Asena eine richtige Kämpferin ist, dachte aber gar nicht daran ihr Verhalten in irgendeiner Weise zu ändern. Sie blieb die ganze Zeit über munter und verspielt. Sie hüpfte, raufte, sprang, aß, trank… alles kein Anzeichen für eine negative Veränderung.
Und dann eines abends als es wieder mal ans Medikamente verteilen ging, sah ich, dass neben Aylas Rosinenauge richtig viel Eiter heraustrat. Man roch es auch sofort. Abszess!
Ich dachte ich traue meinen Augen nicht.
Leider war es schon so spät am Tag, dass uns keine andere Wahl blieb als wieder in die Tierklinik zu fahren. Dort erwartete uns diesmal eine hochengagierte Tierärztin, die uns den Notfallaufschlag nicht berechnete, da ihre Kollegin das letzte Mal so einen groben Fehler machte. Ich war erstmal erleichtert, dass nun doch eine Chance für Ayla besteht und diese Tierärztin gleich konkretere Untersuchungen vornahm. In dieser Nacht entstand auch Aylas Röntgenaufnahme, auf der man sehr gut die riesige Schwellung im Gesicht sehen kann.
Tatsächlich gelang die Aufnahme direkt beim ersten Versuch. Ayla ist so ein ruhiges liebes Wölflein, dass sie ganz von selbst in einer kleinen Box still saß. Glücklicherweise!
Das Röntgenbild zeigt schon mal deutlich, dass es kein Knochenkrebs ist. Wir machten gleich für den nächsten Morgen einen OP-Termin aus, um das Auge mitsamt dem ganzen Kram der da nicht hingehört entfernen zu lassen.

Heute Abend haben wir Ayla wieder abgeholt. Die OP ist wohl gut verlaufen. Sie erholt sich jetzt erstmal noch. Und dann hoffe ich so sehr, dass sie ganz bald wieder ein normales Rattenleben mit ihrem Rudel haben kann. Einäugig. :) Eine richtige Piratte eben.

Bezüglich der Medikamentenvergabe und Nachsorge:

Sie bekommt die nächsten Tage noch weiter Metacam und außerdem Baytril. Baytril (Wirkstoff Enrofloxacin) ist ein sehr gängiges Breitbandantibiotikum und wird in diesem Fall oral verabreicht. Genauso wie auch das Schmerzmittel Metacam. Die meisten Ratten lassen sich das nicht gut gefallen und es ist ratsam Baytril mit etwas Leckerem zu mischen. Maltpaste oder Babybrei hat sich da bei uns bewährt gemacht. Bei ängstlichen oder scheuen Tieren die die Leckerchen als Medizin entlarven oder sich aus anderen Gründen weigern, ist es natürlich auch möglich Baytril mit einer kleinen Spritze (selbstverständlich ohne Nadel) ins Mäulchen zu geben. Dies erfordert unter Umständen etwas Übung und den richtigen Griff.
In Aylas Fall geben wir ihr das Medikament direkt ins Mäulchen, was uns schnell und unkompliziert gelingt. Danach gibt es etwas Leckeres, damit sie den unschönen Geschmack schnell vergisst. So verbindet sie die Medikamentenvergabe mit etwas Positiven.
Die Fäden die für das Zunähen der Wunde benutzt wurden, lösen sich nach einigen Tagen von alleine auf. Also ist hier glücklicherweise kein Fädenziehen nötig.

Ich wollte dieses Erlebnis auf diese Weise einfach mit euch teilen. Vielleicht erlebt ihr irgendwann mal Ähnliches und seid verunsichert wegen irgendeiner Diagnose. Mir hat es geholfen andere Erfahrungsberichte dazu zu lesen.

Achtung! Die Bilder sind nichts für schwache Nerven!

16.12.2012 Ratte Ayla Bulbus Abszess

20.12.2012 Ratte Ayla Bulbus Abszess

20.12.2012 Ratte Ayla Röntgenaufnahme

22.12.2012 Ratte Ayla Bulbus Abszess

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